Moor-Wanderung mit (un)freiwilligem Fußbad

Unsere Gäste in Scully-Haus hatte schon im Vorwege das Rundum-Sorglos-Paket für einen entspannten Urlaub gebucht. Angereist mit 3 Personen und Hund haben wir in wechselnder Besetzung einmal einen Waldbadetag mit Hund gemacht, einmal zu dritt einen Waldbadetag und zum Abschluss sind Seven und ich mit zwei Gästen und ihrem Hund gemeinsam gewandert.

Bei meinen Waldbade-Veranstaltungen machen ich keine Fotos, weil die Entspannung und Ruhe natürlich im Vordergrund stehen. Da würde ein Fotoapparat nur stören. Diese Tage bleiben nur in den Köpfen der Teilnehmer erhalten und sind daher etwas ganz Besonderes.

Auf der Wanderung wurde natürlich wieder fleißig fotografiert. Der Hund meiner Gäste kommt auch aus Bulgarien und die zwei haben sich auf Anhieb super verstanden.

Cody und Seven

Mal im Ernst jetzt, Cody sieht doch auch aus wie eine Version von Seven, nur mit kurzem Fell, oder? Beide sind auch Foto-Muffel und schauen lieber weg, anstatt niedlich in die Kamera zu gucken.

Gewünscht war eine Wanderung in Årshultsmyren, einem großen Moorgebiet, etwas südlich von uns, das unter Naturschutz steht. Hier finden sich auf 1.177 ha Land- und 213 ha Wasserfläche eine Mischung aus offenen Mooren, Sümpfen und bewaldeten Festlandinseln sowie mehreren Seen.

Das Moor ist natürlich unzugänglich, daher führen schmale Holzstege über diese Bereich und verbinden die, mit Laub- und Nadelbäumen bewachsenen Festlandinseln.

Eine wunderbare Landschaft, eindrucksvoll, abwechslungsreich und im Herbst mit einer tollen Farbenpracht.

Leider hat das Wetter nicht zu 100% mitgespielt, es war bewölkt und diesig und ein paar Regenschauer haben wir auch abgekommen. Aber ich höre jetzt mal auf mit den trockenen Fakten und erzähle unsere feuchte Geschichte jetzt endlich mal von Anfang an:

Wir haben uns auf gut 10 km durch die einsame Moorlandschaft bewegt. Nur wir drei, die beiden Hunde und unsere gute Laune. Schließlich haben sich nicht nur die Hunde gut verstanden, auch die Gäste und ich waren in vielem auf einer Wellenlänge.

Der Anfang ging noch durch den Wald auf normalen, befestigten Wegen.

Danach hieß es dann: Staune und genieße: schmale Holzstege, offene Landschaften, verkrüppelte Kiefern, Fichten und Birken, Blaubeerbüsche, Gräser, …

… und jede Menge Wasser.

Erwartungsgemäß waren meine Wandergäste schockverliebt in die Landschaft und zum wiederholten Male hörte ich den Satz „Es ist einfach so toll, dass man keine anderen Menschen trifft… und die Ruhe…“

Somit gab es unterwegs trotz des Wetters nur strahlende Gesichter.

Richtig faszinierend wird die Moorlandschaft noch zusätzlich, wenn man sich die Zeit nimmt, genauer hinzuschauen und die Wunder im Kleinen zu bestaunen.

Wir sind auf jeden Fall den ganzen Tag mit offenen Augen und offenem Herzen dem Weg gefolgt, haben riesige Felsen bewundert, diese besondere Landschaft genossen und die einzigartige Stimmung auf uns wirken lassen.

Dann war es Zeit für eine kleine Pause und obwohl es gerade wieder anfing zu regnen haben wir uns doch auf dieser kleinen Insel mitten im Moor niedergelassen. Hier kamen wir auf dem schmalen Holzsteg noch trockenen Fußes zur Sitzbank.

Gut ausgerüstet mit Sitzunterlage, Regenponcho, Kaffee, Wasser, Schokolade und Keksen haben wir dem Wetter getrotzt und die Seele baumeln lassen.

An diesem Punkt hatten wir dann die Moorlandschaft größtenteils hinter uns gelassen und der weitere Weg führte uns, nicht weniger spannend, durch alte Nadel- und Laubwälder.

Als Naturschutzgebiet wird dieser Wald seit vielen Jahren nicht mehr bewirtschaftet. Dadurch hat sich eine ganz eigene, urwüchsige Landschaft entwickelt.

Dicke Moospolster in Verbindung mit Bäumen, die umgestürzt und halb verrottet am Boden liegen, Äste, die in alle Richtungen emporragen, kleine Blaubeerbüsche, die auf alten Wurzeltellern wachsen und ganz viel Fantasie lassen hier im Wald Drachen und Gnome entstehen. Mit gegenseitigen Erklärungen und Beschreibungen versuchten wir, die Gestalten auch für die anderen sichtbar zu machen.

Cody und Seven waren die ganze Zeit ein Herz und eine Seele und man hätte denken können, die zwei kennen sich schon ein Leben lang.

Ja… und dann kam es…

Der gut befestigte Waldweg führte uns am Fluss Krokån entlang, der hier eigentlich gemütlich mäandernd dahinplätschert. Eigentlich… Jetzt führte der Fluss allerdings so viel Wasser, das er bis an den Weg heranschwappt.

Oha, dachte ich. Was das wohl im weiteren Verlauf des Weges gibt. Der Plan war, die Runde nicht auf dem verhältnismäßig langweiligen Waldweg zu beenden, sondern noch auf Singletrails durch den Wald zurück zum Parkplatz zu gehen. Die Trails führten uns aber weiter am Fluss entlang.

Und da nahm das Schicksal seinen Lauf. Erst waren es nur größere Pfützen auf dem Weg, die sich gut umgehen ließen,

…, aber dann war der „Weg“ großflächig und vollständig unter Wasser. Die Frage war jetzt: Zurückgehen und doch auf dem Waldweg Richtung Auto oder Abenteuer und nasse Füße?

Zurückgehen fanden meine Gäste unsportlich und langweilig und so haben wir uns offenen Auges in die „Fluten“ gestürzt.

Wer jetzt vom gemütlichen Sofa meint, klug fragen zu müssen, warum wir nicht einfach rechts oder links vom überschwemmten Weg gegangen sind, dem sei gesagt, dass wir uns immer noch in mooriger Landschaft befunden haben. Auch wenn man dort Gras sieht und es auf den ersten Blick nach trockener, befestigter Fläche aussieht, so sind dies doch nur dicke Grasbüschel, die aus dem Wasser ragen.

Es war dort genauso überschwemmt wie auf dem Weg, wir haben das getestet. Nur dort war es fast unmöglich zu gehen, weil die Grasbüschel wie auf kleinen Hügeln wachsen, und man gar nicht sehen konnte, wo man hintritt. Ein unfreiwilliges Komplettbad hatten wir bei dem Versuch bereits fast riskiert. Der „Weg“ hatte wenigstens einen festen und ebenen Untergrund.

Gut auch, dass ich meine Schuhe vorher noch frisch imprägniert hatte, so konnte das Wasser nicht so leicht wieder rauslaufen. In unserer Kaffeepause hatten wir uns noch über unser Schuhwerk ausgetauscht und wer mit welcher Marke zufrieden war, weil man beim Wandern keine nassen Füße bekommt. Jetzt spielte das so gar keine Rolle mehr.

Zum Glück waren wir fast am Auto und bei einem Stopp haben wir dann schnell einmal die Socken ausgewrungen und das Wasser aus den Schuhen gegossen. Die gute Laune war auf den letzten Metern trotzdem ungebrochen und so kann ich auf jeden Fall mit Fug und Recht behaupten: Diese Wanderung wird euch und auch mir in Erinnerung bleiben.

Ich möchte mich auf diesem Wege ganz herzlich für unsere gemeinsamen Ausflüge bedanken, für eure Begeisterungsfähigkeit, für eure gute Laune und überhaupt dafür, dass ihr unsere Gäste wart.

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