Reden in (und mit) Schweden

In ähnlich betitelten Beiträgen in anderen Blogs und vielen Foren könnt ihr nachlesen, welchen Sprachen das Schwedische ähnelt und wie leicht oder schwer es zu erlernen ist… Dann lest ihr darüber, dass man sich schwedische Texte beim Lesen recht weit verstehen lassen, wenn man ein wenig sprachaffin ist… Außerdem wird oft festgestellt, dass man mit Deutsch und Englisch ganz problemlos klarkommt. Alle Schweden sprechen schließlich fließend Englisch und ganz viele auch Deutsch…

Blablabla… Immer das Gleiche. Stereotype und grob vereinfachte Weisheiten und Halbwahrheiten, mit denen man in seinem Urlaub gar nicht sooo richtig etwas anfangen kann…

Ihr macht in Schweden Urlaub. Ihr möchtet euch gerne an der einen oder anderen Stelle mit den Einheimischen verständigen. Manchmal müsst ihr das auch, zum Beispiel, wenn ihr nach dem Weg, einem Geschäft, einem bestimmten Artikel oder auch nach einem Arzt fragt.

Viel wichtiger als die Sprache, in der ihr dieses tut ist, nach meiner Erfahrung und Überzeugung, die Art und Weise, wie ihr es tut.

Wir leben hier in Schweden auf dem Land. Das stellt ihr schon bei der Anreise fest. Hier wird unter den Einheimischen sehr höflich miteinander umgegangen. Man grüßt sich. Wenn man sich trifft, begrüßt man sich und verabschiedet sich, oft ohne den in Deutschland üblichen Handschlag, meist aber mit ein paar freundlichen Worten. Es wird sehr wenig laut gesprochen oder die Stimme erhoben. Kritik wird, wenn überhaupt, sehr zurückhaltend und ausgesucht höflich geübt. Fluchen, sich beschweren oder Schimpfen findet in der Öffentlichkeit praktisch nicht statt. Humor gibt es durchaus. Nicht so offensiv, wie in Deutschland, sondern auf eine ganz freundliche oft auch etwas augenzwinkernde Art und Weise. Dies sollen nur mal ein paar Beispiele sein, um euch ein wenig Gefühl zu vermitteln für eure(n) Gegenüber.

Wenn ihr kein oder nur ein paar Brocken Schwedisch sprecht und etwas von jemandem möchtet, den ihr für einen Einheimischen haltet, sprecht ihn/sie freundlich an und begrüßt die mit Hallo oder Hej. Entschuldigt euch kurz für die Störung und fragt dann, ob er/sie die eine oder andere Sprache (Englisch, Deutsch) spricht. Plappert nicht einfach in einer euch passenden Sprache drauflos, damit überfahrt ihr eure(n) Gegenüber. Die allermeisten Schweden, damit sind wir tatsächlich beim oben genannten Klischee, sprechen tatsächlich ein wenig Englisch. Ihr erfahrt dann also, mit welcher Sprache ihr euch verständigen könnt. Fragt, was ihr wissen möchtet und hört euch die Antwort an. Fragt gerne nach, wenn ihr etwas nicht verstanden habt. Wenn ihr wisst, was ihr wollt, bedankt euch und wünscht einen schönen Tag. Zum Schluss schadet ein Hejdå ganz bestimmt nicht.

Es erwartet ganz niemand von euch, dass ihr die Landessprache sprecht. Ihr möchtet ja als Tourist Land und Leute kennenlernen. Ihr seid in Schweden überall herzlich willkommen. Was aber bestimmt nicht schadet ist, auf ein paar kleine Besonderheiten in der Kommunikation zu achten und die Schweden nicht (unbewusst) mit der deutschen Mentalität zu überrollen.

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