Im Nationalpark Tiveden

Das Team von Wandern-in-Schweden

Geplant hatte ich meinen Kurzurlaub schon im letzten Jahr und eigentlich sollte es vor der Saison, also Anfang Mai, für 3 Tage losgehen. Nun hat natürlich auch bei uns Corona so ziemlich alles über den Haufen geworfen, was an Planung für das Jahr 2020 da war.

Nachdem die Lage nun einschätzbar geworden ist und “Abstand” das wichtigste und gleichzeitig das einfachste hier in Schweden ist, habe ich nach einem Blick in den Kalender kurzfristig entschieden, mich für drei Tage auf den Weg zu machen.

Mit dabei natürlich meine treuen 4-pfotigen Begleiter Opa Hurley und Kistenkobold Seven. Den Camper “Horst” haben wir zuhause gelassen und uns statt dessen mit unserer neuen mobilen Unterkunft dem “Amalfi 400” auf den Weg gemacht.

Das Amalfi ist ein Luftzelt von Vango mit Platz für bis zu 4 Personen. Meine Anforderungen beim Kauf waren: 1. Stehhöhe, 2. Boden und Wände fest verbunden, 3. für 1 Person allein aufbaubar. Das passt hier alles perfekt und nach dem ersten Einsatz kann ich das Zelt auch ohne Abstriche empfehlen.

Wir waren auf dem Campingplatz Tiveden, ein sehr schöner und gepflegter Platz mit netten Betreibern. Die Kommunikation im Vorwege war etwas zäh, aber für Sauberkeit, Lage und Ausstattung bekommt der Platz von mir 5 Sterne.

Wir standen direkt am Wasser des Seen Unden mit Blick auf den Sonnenuntergang – besser geht es nicht.

Mein Ziel war Tivedens Nationalpark. Das Gebiet steht seit 1983 unter Schutz, ist 1352 Hektar groß und bietet eine sehr abwechslungsreiche Natur. Laut Prospekt Grün wie der Wald, Grau wie die Felsen, Blau wie die Seen und Schwarz für die Rußflächen nach den Waldbränden.

Die Wälder sind nie wirklich bewirtschaftet worden und daher sehr ursprünglich. Sie bieten eine große Variation an Bäumen unterschiedlichsten Alters. Die älteste Kiefer ist über 420 Jahre alt.

Die beeindruckenden Felsformationen sind bei der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren entstanden. Die gefrorenen Felsen sind gesplittert, die Eismassen haben die Felsen rund geschliffen und zusammengeschoben. Dabei ist auch der Vättern-See entstanden.

Mit dem Schmelzwasser sind dann Kiesel und Sand ausgespült worden und die Seen haben sich gebildet. So ist u.a. auch der Sandstrand am See Stora Trehörningen im Naturschutzgebiet entstanden.

Waldbrände hat es in der Gegend früher reichlich gegeben, die älteste Überlieferung stammt aus dem Jahre 1371. Danach sind noch mindestens weitere 86 Brände dokumentiert. Man findet viele verkohlte Stämme und Bäume mit Brandschäden im Nationalpark.

Das Gebiet war sehr lange nicht erschlossen, es gab keine Wege und nur sehr wenige Menschen. Die ersten Funde stammen aus der Zeit um 1600. Dafür trifft man mit Glück neben dem Auerhahn auch den Luchs, den Wolf, selten sogar Bären und das Vielfraß. Darüber hinaus sind über 700 verschiedene Arten an Käfern, und jede Menge anderer Insekten im Wald beheimatet.

Ihr seht also, es ist eine überaus spannende Gegend und in nur einem Tag habe ich sicher keine Chance, mehr als einen kleinen Teil zu sehen und zu erkunden.

Innerhalb des Nationalparkes gibt es 9 verschiedene ausgeschilderte Rundwege. Von 0,9 bis 9,5 km führen die Wanderwege in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden durch die Landschaft.

Der Ausflug sollte sich ja auch lohnen und wir hatten den ganzen Tag Zeit, da war es keine Frage, dass wir die Trehörningsrundan, die lila Markierung mit 9,5 km gewählt haben.

Die Entfernung ist sicher nicht das Problem für meinen Opa Hurley, aber wie schwierig der Weg zu gehen war, das wußte ich im Vorwege natürlich nicht. Ich dachte, wir starten einfach mal und schauen was uns erwartet. Umdrehen können wir immer noch. Aber der Weg um den See versprach natürlich auch immer genug Wasser für die Hunde unterwegs.

Los ging es:

Wir sind am “Vitsand”-Eingang gestartet und gegen den Uhrzeigersinn um den See gewandert. Das Wetter war zum Wandern toll, erst sonnig, dann ein bisschen bewölkt aber trocken. Es ging die ganze Zeit ein wenig Wind über dem See und so war es nie wirklich warm – perfekte Bedingungen.

Ich bin von meinem Wald hier natürlich verwöhnt, was das Treffen von anderen Menschen angeht. Auf dem Parkplatz standen etwa 6 Autos, am Strand waren mehrere Menschen und auch unterwegs haben wir immer wieder andere Wanderer getroffen. Nicht überlaufen, das war in der Nebensaison sicher auch nicht zu erwarten, aber schon gut besucht.

Der Weg ist zu 95 % ein Singletrail über Wurzeln, Steine, bergauf und bergab, aber mit festen Wanderschuhen problemlos zu gehen. Wir hatten es ja nicht eilig, haben immer wieder Pause gemacht und bis zum Haupteingang in den Park – das waren etwa 2/3 unseres Weges – waren wir absolut guter Dinge.

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Auf einem Felsen direkt am See haben wir dann eine ausgiebige Mittagspause gemacht und uns für den letzten Rest des Weges gestärkt.

Das Ende war ja in Sicht und der größte Teil des Weges geschafft – dachte ich…

Wir kamen dann zum eigentlichen Haupteingang des Parks und von dort waren es noch etwas über 3 km bis zu unserem Auto. Eigentlich kein Problem. Hurley war zwar langsam müde, aber immer noch guter Dinge und Seven hatte sich in der Pause ja ausgeruht und hätte eh noch die nächsten 3 Tage weiterlaufen können.

Dieses letzte Stück der Strecke hatte es allerdings auch so richtig in sich:

Wir mussten steil hinauf über Felsen kraxeln, über Brücken balancieren, haben dem Abgrund Aug in Aug gegenüber gestanden und runter ging es zweimal über steile Treppen, die zu allem Überfluss auch noch Gitterstufen hatten.

Aber meine tapferen Gesellen ließen sich nicht aus der Ruhe bringen, haben nach meiner Ansage die sichersten Routen gewählt, sind ruhig und bedacht voran marschiert und auch die Treppen haben wir gemeinsam bewältigt. Mit ein wenig Unterstützung und schieben des Hinterteils an den ganz steilen Passagen ist auch Hurley sicher vorangekommen. Ich bin wirklich stolz auf euch.

Dann kam er endlich in Sicht unser Vitstrand – weißer Strand und damit war unser Abenteuer für den Tag beendet.

Ein großartiger Tag und ein eindrucksvolles Erlebnis, dass mir lange in guter Erinnerung bleiben wird. Es hat riesig Spaß gemacht.

Gerne wäre ich am nächsten Tag noch die “Trollkyrkorundan”, den Rundweg zu den Trollkirchen, gewandert. Aber ich wollte Hurley nicht überbelasten, er hat den Tag so gut durchgehalten, da ist es sicher klüger, an anderes Mal wiederzukommen.

So waren wir am letzten Tag unseres Urlaubes noch in Forsvik und haben den höchsten Punkt des Götakanals besucht. Die Schleuse hier aus dem Jahr 1813 ist mit einer Fallhöhe von 3,5 m die höchste Einzelschleuse des Kanals. Gleichzeitig findet sich hier die vermutlich älteste Eisen-Doppelklappbrücke Schwedens, die seit der Renovierung 1986 wieder voll funktionstüchtig ist.

Ihr seht, zu Entdecken und Erkunden gibt es hier zwischen den beiden großen Seen mehr als genug. Die Festungsanlage von Karlsborg hätte ich mir auch gerne noch näher angeguckt, aber da braucht man eindeutig länger als 1 Stunde Zeit.

So ging es müde und glücklich wieder nach Hause und ich kann nur resümieren: Der Nationalpark Tiveden ist auf jeden Fall mehr als eine Reise wert.

2 Kommentare zu „Im Nationalpark Tiveden“

  1. Freu mich mit Dir, das Euer Kurzurlaub so ein Erfolg war. Tolle Bilder! Na, dann : Auf ein Neues… freu mich sehr auf gemeinsames Wandern… Herzlichste Grüße und Wedler von den drei Otterstedtern

  2. Meine Liebe, wie zauberhaft. Klasse. Freue mich sehr und auch das Hurley dabei war. Dicken Knuffelknutscha an Euch von Schippi und Punkteoma, wöff

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