Schnelles Internet im tiefen, schwedischen Wald – Wunsch und Wirklichkeit

Da 2020 Corona das Thema des Jahres ist, habe ich mich schon länger gefragt, worüber ich mal wieder schreiben könnte, ohne selbst Depressionen zu bekommen oder beim Leser welche auszulösen. Jetzt habe ich ein Thema gefunden: Das Internet im SchwedenParadies.

Bis 2018 war an unseren Ferienhäusern Internetzugang nur über zu mietende, mobile GSM-Router oder über direktes Roaming der Endgeräte möglich. Aufgrund der abseitigen Lage der Häuser und der geringen Dichte an Funkmasten, hat das mehr schlecht als recht funktioniert.

Heute haben wir einen 1000-er Glasfaseranschluss, schnelles Internet, ein Mesh-Netzwerk auf dem gesamten Gelände und kostenloses Gast-WLAN mit bummelig 150 MBit/s für die Ferienhäuser. Und das im schwedischen Nirgendwo, mitten im Wald! 1 km von der nächsten asphaltierten Straße, 2 km vom nächsten Nachbarn, 10 km von der nächsten Ortschaft und 45 km von der nächsten Stadt entfernt! Das finden wir immer noch ziemlich cool! Und das funktioniert mittlerweile alles richtig gut!

Dieses Angebot weckt aber auch Erwartungen und Ansprüche. Einerseits verständlich, andereseits manchmal, angesichts der äußeren Umstände auch etwas realitätsfern, wie ich finde:

“Welche Übertragungsgeschwindigkeiten für Down- und Upload garantiert ihr denn so?”

“Ab und an ruckelt das Bild etwas beim Skypen. Muss das so sein.”

“Läuft mein deutscher Streaming-Dienst (Amazon, Netflix etc.) denn im Ferienhaus und im Gästehaus ruck- und störungsfrei und in overfull highend Ultradefinition?”

Spätabends oder frühmorgens erreichen mich (selten) WhatsApps aktueller Gäste mit Hinweisen auf unakzeptabel niedrige Übertragungsraten oder nicht-funktionierendes WiFi, gern verbunden mit konstruktiven Ratschlägen zur Problemlösung wie: “Stecker ziehen, warten, wieder einstecken:”.

Eigeninitiative Verbesserungsversuche in den Häusern führen zur Abmeldung des Repeaters vom Mesh-Netzwerk und zum Abbruch der Internetversorgung des Hauses.

Bei manchen Gästen entsteht Panik mit Schnappatmung und Schweißausbrüchen, wenn nicht um 8 Uhr morgens die digitale Frühstückszeitung des Heimatortes auf dem Pad liegt.

Bewohner des jeweiligen Gästehauses erwägen den Umzug ins Haupthaus, um Übertragungsraten für nächtliche Streaming zu steigern.

Hier schreibe ich jetzt mal ein paar erläuternde Worte rund um das Thema Internet im SchwedenParadies auf. Ich habe mich für zwei Versionen entschieden. Eine lange und eine kurze:

Version 1 (lang, erklärend, empathisch, didaktisch wertvoll):

Der Internetzugang in unser Gast-WLAN-Netzwerk ist kostenlos. Das WiFi und der Internetzugang sollen natürlich dauerhaft und störungsfrei funktionieren. Der zeitweise oder komplette Ausfall des Internetzugangs ist im Einzelfall zwar bedauerlich, stellt aber keinen Grund für irgendeine Minderung oder Fristsetzung zur Instandsetzung dar. Wir garantieren keine unbegrenzte oder ununterbrochene Verfügbarkeit. Wir garantieren keine Übertragungsraten. Unser Gast-WLAN dient in erster Linie dazu, soziale Netzwerke, Websites und E-Mail-Funktionen nutzen zu können. Wir wissen nicht, welche Streaming-Dienste welche Mindestübertragungsraten brauchen oder ob sie im Ausland funktionieren. Jeder Gast hat immer alternativ und ganz unabhängig von unserem Gast-WLAN die Möglichkeit, über das eigene Smartphone einen lokalen WLAN-Hotspot für eigene Endgeräte zu schaffen und sich über Roaming ins Internet einzuwählen. Das holt einen dann meist ganz schnell wieder in die schwedische Wirklichkeit und führt einem die Mobilfunknetz-Abdeckung hier im Wald vor Augen.

Wir können nicht ganz verhindern, dass es gelegentlich zu zeitlich begrenzten Unterbrechungen in der Internetverbindung kommt oder die Übertragungsgeschwindigkeit variiert. Bei Wartungsarbeiten des Glasfasernetzwerk-Betreibers wird das gesamte Netzwerk manchmal kurzfristig außer Betrieb genommen. Wenn es stark regnet, schneit, hagelt, stürmt oder gewittert, kommt es vor, dass das MESH-Signal zwischen den Routern und den einzelnen Repeatern gestört wird. Nach Stromausfällen kann es sein, dass sich nicht alle Bestandteile des Netzwerkes sofort wieder automatisch miteinander verbinden. Wenn ein Repeater im Ferienhaus gezogen und an anderer Stelle im Haus wieder eingesteckt werden, funktioniert die Signalübertragung nicht mehr, wie gewünscht. Wenn am Repeater Knöpfe gedrückt werden, kann sich der Repeater nicht mehr selbsttätig mit dem Mesh-Netzwerk verbinden. Zu Stoßzeiten (Wochenende, abends etc.) kann es vorkommen, dass aufgrund hoher Auslastung des gesamten regionalen Unnaryd-Fiber-Glasfasernetzes nicht immer und überall die volle Bandbreite für die Signalübertragung zur Verfügung steht. Auch die Bandbreite der Leitung hier im Weg ist irgendwann endlich und die des Gast-WLAN-Netzwerkes ebenso. Wenn man bedenkt, dass bei voller Belegung der Ferienhäuser zeitgleich bis zu zehn Gäste das Gast-WLAN teilen, kann man sich ausrechnen, dass nicht auf jedem Endgerät immer die volle Übertragungsleistung abrufbar ist.

Wir geben (fast) alles, damit das WiFi und der Internetzugang störungsfrei und schnell funktionieren. In aller Regel gelingt uns das. Kommt es trotzdem mal zu einer Unterbrechung, ist das unseres Erachtens überhaupt kein Beinbruch, sondern den o.g. oder irgendwelchen anderen Einfluss-Faktoren geschuldet. Soweit wir können, bemühen wir uns zeitnah, alles wieder zum Laufen zu bekommen. In aller Regel kriegen wir das auch prima hin. Falls das mal nicht umgehend klappt, denkt doch bitte an Folgendes: Ihr seid im schwedischen Wald und wollt Urlaub machen. Funktioniert das Internet mal nicht, muss nicht zwingend eine Störung im Gast-WLAN-Netz vorliegen. Manchmal hilft (schwedisch-) gelassenes Abwarten. Absolut nie hilft es, den Router/Repeater selbst aus- und einzustecken oder auf den Knöpfen rumdrücken. Packt doch einfach Handy, Pad oder Notebook mal zur Seite, geht raus und genießt die Natur! Funktioniert der ganze Plunder nach einem halben Tag immer noch nicht wieder, meldet euch gerne tagsüber bei uns. Wir machen uns dann gerne ans Werk, prüfen woran es liegt und bringen, so schnell es geht, alles wieder zum Laufen.

Version 2 (kurz, knapp, einfach verständlich):

Wir wohnen hier einsam im Wald, verdammte Axt!

Dann funktioniert das Internet halt mal ein paar Stunden nicht, na und?

Entweder das kommt von selbst wieder oder wir kümmern uns!

Der ganze WiFi-Krempel kostet(e) uns einen Menge Zeit und Geld und wir stellen euch das kostenlos zur Verfügung. Also bitte: Keine Panik!

Wir sind nicht die Betreiber des kompletten Glasfasernetzes und keine Netzwerktechniker!

Ihr seid im Urlaub! Geht raus und genießt die Natur, deshalb seid ihr schließlich in Schweden!

Wenn irgendwas länger (als einen halben Tag Stunden) nicht funktioniert, meldet euch gerne – tagsüber!

Startet bitte keine eigenen Reparaturversuche! Lasst die Repeater stecken, wo sie stecken und bitte Finger weg von dem Knopf auf dem Repeater!

Ich hoffe, ich konnte für ein paar Minuten von Corona ablenken und augenzwinkernd die “Besonderheiten” eines Internet-Anschlusses mitten im schwedischen Nirgendwo erläutern.

Ach ja, wer das obenstehende bierernst nimmt, ist selber schuld.

Bleibt alle gesund und bis irgendwann im SchwedenParadies!

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